16. Aug 2009 | zur Übersicht
Gampel-Bratsch.– Das 24. Open Air Gampel ist Geschichte. Und erst noch eine Erfolgreiche. An vier Tagen besuchten rund 72'500 Besucher das Walliser Festival.
Open Air Gampel 2009: 13.-16. August 2009
Das 24. Open Air Gampel ist Geschichte. Und erst noch eine Erfolgreiche. An vier Tagen besuchten rund 72'500 Besucher das Walliser Festival. Damit lag die Besucherzahl über den Erwartungen von 70'000 Besuchern. Das neue kleinere und kuscheliger angeordnete Gelände kam beim Publikum an. Die wohl grösste Veränderung erhielt Bühne 2: Sie hiess neu «PlayStationStage» und war nicht mehr überdacht, sondern «Open-Air». Obwohl eine etwas höhere «Besucher-Aggressivität» registriert wurde, bilanzierte Renato Kalbermatten, Mediensprecher der Kantonspolizei wie folgt: «Wir erlebten, wenn man die Besucherzahlen miteinbezieht, ein ruhiges Festival. Die Kriminalität blieb im marginalen Bereich.» Musikalisch überzeugten die beiden britischen Headliner Snow Patrol und Kaiser Chiefs, die Newcomer The Ting Tings sowie die Schweizer Stress, Patent Ochsner und Bligg. Einer strahlte am Sonntag wohl am grössten: Georges Nellen, der Oberwalliser Wetterfrosch. Er behielt mit seiner im Mai geäusserten Prognose, wonach das Open Air vier Schönwettertage erleben werde, Recht: Das Wetter war gewaltig: Sonne satt und Temperaturen über 30 Grad.
Albert Zengaffinen, Sicherheitsverantwortlicher Open Air Gampel resumiert: „Das Hauptgelände war sehr ruhig, die Sicherheit war jederzeit gewährleistet.“ Dagegen gab es auf dem grossen Campingareal einige Sicherheitslücken. Teilweise war das Areal zu dunkel; dies animierte zu diversen Diebstählen. Nach den ersten beiden Tagen reagierten die Verantwortlichen und setzten mehr Patrouillen und installierten zusätzliche Lichtkörper. Auch der Festival- Sicherheitsdienst und die Kantonspolizei Wallis verzeichnete – gemessen an den Zuschauerzahlen – ein ruhiges Festival. Obschon die Polizei einen Anstieg von Diebstahldelikten und im Vorjahresvergleich eine leicht grössere Gewaltbereitschaft registrierte. Diese Gewaltbereitschaft bereitete auch dem Sanitätsdienst einige Probleme. Mehrmals wurden die Sanitätstruppen in der Ausübung ihrer Tätigkeiten beeinträchtigt. Insgesamt verzeichnete der von Tanja Brunner geleitete Sanitätsdienst am Open Air Gampel rund 1'000 Patientenkontakte, rund 1/3 mehr als noch im Vorjahr. Die grosse Mehrheit dieser Patientenkontakte erfolgte infolge Hitzeerschöpfungen, Insektenstiche und Allergien. Lediglich fünf Patienten mussten vorübergehend hospitalisiert werden, dies auch Dank dem eigens eingerichteten «Schockraum» auf dem Gelände, wo total 70 Patienten über eine längere Zeit überwacht werden mussten. Die Schweinegrippe war überhaupt kein Thema; nicht ein einziger Verdachtsfall wurde verzeichnet.
Aus Sicht der verantwortlichen Feuerwehr lief das Festival in bekanntem Rahmen ab. Im Einsatz standen 110 Feuerwehrleute, die von Donnerstag bis Samstag einzig bei einigen wenigen Containerbränden intervenieren mussten. Erfahrungsgemäss wird die Feuerwehr zwischen Sonntagabend und Montagmorgen an die 50 Zeltbrände löschen müssen.
Der Bereich Transport funktionierte wie in den Vorjahren tadellos. Auf dem Flugplatz Turtmann zählte man mit ca. 2'200 Autos rund 200 weniger als noch im Vorjahr. Die Zahlen der Motorräder und Camper blieben in etwa auf dem Vorjahresergebnis. Auch hier erkannten die Verantwortlichen eine etwas erhöhte Aggressivität – diesmal vor allem im Fahrverhalten. Auch der öffentliche Transport funktionierte tadellos. Am Samstag verzeichnete PostAuto Wallis ein grösseres Gästeaufkommen als noch im Vorjahre.
Musikalische Highlights waren sicherlich die beiden Headliner Kaiser Chiefs und Snow Patrol. Die schottisch-irsche Band Snow Patrol begrüsste die rund 20'000 Fans gleich selbst - per gigantischem Videoscreen. In enger Zusammenarbeit mit dem TV-Partner Canal 9 zauberte der Bandeigene Screen-Designer fantastische Sujets auf die Screens. Der Sound der Briten war auf den Punkt genau - die Stimme extrem sicher und powervoll. Britrock der allerbesten Sorte gabs am Samstagabend. Zentrales Element der Songs war immer die Tanztauglichkeit der Songs: Schnelle Drums und prägnante Gitarrenriffs, die einen unaufhaltsam vorwärts treiben. Kaiser Chiefs waren die würdigen Samstagsheadliner - das Gelände fast bis zum Horizont brechend voll. Dagegen funktionierte N*E*R*D als Donnerstags-Headliner zuwenig. Pharrell/Wiliams und Shay begeisterten zwar, doch der Funke sprang zu selten aufs Publikum rüber. Für die Amis in die Bresche sprang aber Stress, der die Besucher vom ersten zum letzten Ton extrem im Griff hatte.
Die deutschen Bands vermochten durchs Band zu überzeugen: Allen voran Silbermond, Farin Urlaub und sein Racing Team und The BossHoss. Innert wenigen Jahren spielten sich Silbermond in die oberste Liga der deutschsingenden. Vor Jahren noch auf Bühne 2 begeisterten Silbermond am Samstagabend die zahlreichen Besucher. Lead-Sängerin Stefanie Kloss hat eine selten erlebte Bühnenpräsenz. Allerspätestens nach den paar Happen «Walliserdeutsch» hatte sie das Publikum fest auf ihrer Seite. Auch liess sie es sich nicht nehmen, sich von den Händen des Publikums zum Mixturm und zurück zu tragen. Die Feuertaufe der zweiten kleineren Bühne fand dann beim Auftritt von Farin Urlaub statt. Der Ärzte-Mann zeigte sich in allerbester Spiellaune: Turnübungen, Dialekttests und Animation wurden unter Aufsicht des Doktors durchgeführt. Auch Boss und Hoss wussten zu überzeugen: Vor Jahren stand die Countryrock-Band in Gampel am frühen Nachmittag auf der Bühne. Das Publikum zunächst skeptisch, war am Ende sichtlich begeistert. Jetzt, Jahre später am Abend vor sehr vollen Rängen boten die Jungs in Cowboyhüten allerbeste Unterhaltung. Musikalisch überzeugend war zudem das britische Duo The Ting Tings. Was die zwei Musiker alleine auf der Bühne an Soundcollagen zaubern, ist gewaltig. Da fragt man sich doch echt: Wieso braucht man eine ganze Band?
Am Sonntag programmierten die Macher ausschliesslich Schweizer Musik. Ein Konzept das aufging. Patent Ochsner, die Berner Dauergäste mit Hits ab Fliessband überzeugten das Gampjer Festivalpublikum. Auch überzeugend der Auftritt vom Bligg am Sonntagabend. Doch ein anderer Schweizer stahl einigen arrivierten Stars die Show: z'Hansrüedi, der Walliser Entertainer unterhielt das partyverwöhnte Volk zwei Abende im neuen Walliser Zelt.
Olivier Imboden, Medienchef Open Air Gampel, media@openairgampel.ch
Mehr Informationen zum Openair Gampel finden sich auf der Webseite unter http://www.openairgampel.ch/
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