17. Aug 2008 | zur Übersicht
Gampel.– «Chumm ins Wallis»: 78'000 Besucher feierten den Abschluss zum Schweizer Festivalsommer!
Die 23. Ausgabe des Open Air Gampel war erfolgreich und friedlich: Rund 78'000 Besucher an vier Tagen bescherten dem Schweizer Festivalsommer einen guten Abschluss. Sicherheitstechnisch wird das Festival seitens Kantonspolizei, Security, Sanität und Feuerwehr als «ruhiges Festival» bezeichnet. «Angesichts der Masse an Personen, die sich vier Tage in Gampel aufhielten, geht der Jahrgang 2008 wahrscheinlich als der ruhigste Jahrgang überhaupt in die Geschichtsbücher ein», resümiert Albert Zengaffinen, Verantwortlicher Sicherheit seitens Open Air Gampel. Als musikalische Highlights gelten die Auftritte der Epic-Rocker Nightwish mit genialer Pyroshow und die Deutschen Top-Bands Beatsteaks, Die Fantastischen Vier und Fettes Brot. Als Entdeckung können die Auftritte vom kanadischen Singer-/Songwriter Justin Nozuka, der dänischen Newcomerband Grand Avenue und vor allem das Konzert der englischen Independentband The Hossiers bezeichnet werden. Stefanie Heinzmann erlebte in 'Gampel' auf der Hauptbühne ihre Feuertaufe. Begleitet mit einer 12-köpfigen Band zelebrierte die Walliserin sehr viel Spielfreude, die schliesslich mit dem Song «Chumm ins Wallis» in einer Hommage an ihren Heimatkanton gipfelte.
Aus sicherheitstechnischen Aspekten betrachtet wird das 23. Open Air Gampel als ruhiges Festival in die Geschichtsbücher eingehen. Die Kantonspolizei Wallis nahm vor allem präventive Aufgaben wahr und stellte eine rasche Einsatzbereitschaft sicher. Die Polizei legte den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Aufrechterhaltung der Sicherheit, Bekämpfung der allgemeine Kriminalität und den Jugendschutz. Einen besonderen Augenmerk wurde auf die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen über den Ausschank von alkoholischen Getränken auf und neben dem Festgelände gelegt: «Die Alkohol- und Drogenberatungsstelle führte vor und während dem Open Air in der Region Gampel Testkäufe durch. Die Resultate fielen sehr positiv aus», so Renato Kalbermatten, Medienverantwortlicher der Kantonspolizei Wallis. Insgesamt zwei Personen mussten verzeigt werden. Ein 19-jähriger Jugendlicher aus Afghanistan und ein 22-jährigen Türke wurden verhaftet, als sie vor dem Festgelände gefälschte Vier-Tagespässe verkauften. «Im Verhältnis zum Umfang der Grossveranstaltung blieben die polizeirelevanten Ereignisse und Interventionen im Vergleich zu den Vorjahren erfreulicherweise auf recht tiefem Stand. Obwohl die Besucherzahl des Open Airs auf hohem Niveau bleibt, konnten Dank einer gezielten Vorbereitung, einer konsequenten Umsetzung und der guten Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Partnern die anstehenden Probleme effizient bewältigt werden», so das Resumee der Kantonspolizei Wallis. Das Festival verlief auch aus Sicht der privaten Sicherheitsfirma PSA, welche für die Sicherheit auf dem Festgelände verantwortlich war, sehr ruhig ab: «Lediglich sechs Zwischenfälle wurden rapportiert; dies ist auf die Masse der Zuschauer ein extrem niedriger Wert», so Fabian Kurzawa, Einsatzleiter PSA. Bei diesen Interventionen ging es jeweils um randalierende Zuschauer, welche zum Schutz der Standbetreiber besänftigt werden mussten.
Der Sanitätsdienst vom Open Air Gampel unter der Leitung von Tania Brunner hatte die Situation am Event immer bestens im Griff. Die Zusammenarbeit mit Sanität Oberwallis, mit dem Hauptverantwortlichen Matthias Volken und den Ärzten Christian Seidl und Philipp Brunner, funktionierte stets hervorragend und reibungslos. Insgesamt waren 331 Personen im Sanitätsdienst eingeteilt, darunter 14 Ärzte, 9 Notärzte, 12 Pikett-Ärzte und 13 Assistenzärzte. Während den Konzerten standen stets zwei Ambulanzen von Sanität Oberwallis auf dem Gelände. Insgesamt verzeichnete der Sanitätsdienst 800 Patientenkontakte. Meistens handelte es sich dabei um die Abgabe von Schmerztabletten oder um kleinere Wundversorgungen. 60 Patienten mussten über einen längeren Zeitraum auf dem Gelände stationär beobachtet werden. Insgesamt sieben Personen mussten hospitalisiert werden. Hierbei handelt es sich vor allem um Unfallverletzungen und Überwachungspatienten in Folge Alkoholkonsum. Für das Spitalzentrum Visp ist der stationäre Sanitätsdienst am Open Air Gampel nachweislich eine grosse Entlastung.
Auch die Feuerwehr kann auf ein ruhiges Festival zurückblicken: Bis zum Festivalende sind kaum Löscheinsätze verzeichnet worden. Erfahrungsgemäss wird es bis Montag früh noch einige Löscheinsätze geben, denn einige Campingbesucher unterlassen es nicht ihre Habseligkeiten auf dem Camping anzuzünden. Das seit Jahren geltende Feuerverbot auf dem Camping wird inzwischen vom Publikum voll mitgetragen und auch die Interventionswege auf dem 15 ha grossen Areal waren stets frei zugänglich.
Die Hin- und Rückreise zum Event klappte ebenfalls hervorragend. Auf Grund der Eröffnung des Lötschbergtunnels reisten die Deutschschweizer nicht mehr über Goppenstein an, sondern bestiegen in Visp den Regionalzug nach Gampel und hier das PostAuto zum Gelände. Die Angebote waren aufeinander abgestimmt - Wartezeiten eher selten. Am Samstag wurde ein Zug der SBB auf die Bergstrecke umgeleitet, da es im Lötschbergtunnel Probleme gab. Dank raschem Eingreifen von PostAuto Wallis konnten die rund 120 Zugpassagiere mit einem Extrakurs ab Goppenstein nach Gampel transportiert werden. Auf dem Flugplatz Turtmann wurden insgesamt 2'500 Autos gezählt - rund 200 weniger als das Jahr davor. Ca. 800 Fahrzeuge profitierten von den neu eingeführten Parkkarten-Tagespässen, unter ihnen über 500 Westschweizer Fahrzeuge, die lediglich zum Nightwish-Konzert anreisten.
Die 23. Ausgabe des Walliser Grossevents stand im Fokus der Schweizer Medien. Über 170 Medienschaffende berichteten vier Tage aus 'Gampel'. Vertreten waren alle wichtigen Medien wie SF, TSR, DRS3, Couleur3, Blick, AP und SDA; sowie viele Lokalradios wie BE1, Capital FM, rro, RhoneFM, Basilisk und viele Zeitungen wie Walliser Bote, Regional-Zeitung, Nouvelliste, Die Südostschweiz und die Berner Zeitung.
Am Donnerstagabend besuchten rund 14'000 Besucher das Gelände am «Rotten». Neben dem Besucheraufmarsch stimmte auch Sound und Wetter: Musikalische Highlights waren Die Fantastischen Vier, The Hives und die englischen Newcomer The Hoosiers. Als der Regen einsetzte, kamen die Teutonen-Rapper. Ihre 'Gampel'-Show mit einem ausgeklügelten und bunten Lightsystem war vollgespickt mit vielen Fanta-Hits - darunter auch viele älteren Datums. The Hives setzten die Hauptbühne erwartungsgemäss unter Strom.. Zu Hören gabs ihre grössten Hits, wie «Idiot walk», «I hate to told you so» oder eben dieses «Tick tick booooom», welches zugleich den Abschluss des explosiven Konzerts bildete. The Hoosiers bewiesen auf der kleineren Bockbühne, dass sie derzeit in England zurecht gehypted werden wie kaum eine andere Newcomerband. Ihre Show - leider viel zu kurz - war geprägt von 80's Brit-Power. Absolute Highlights waren ihre Hits «Worried about Ray», «Goodbye Mr. A.», sowie das Billy Joel-Cover «We didn't start the fire». Die Band versteht es, ihre wunderschönen Harmonien auch live perfekt zu transportieren. Eine Riesenentdeckung, die leider vielen Besuchern verborgen bleibt, denn vor der Bühne versammelte sich eine eher kleinere Publikumsmenge.
Am Freitagabend kamen viele der über 23'000 Besucher - vor allem aus der Westschweiz - wegen den Symphonic-Metallern Nightwish. Sie gelten als erfolgreichste Band Finnlands. Und das zu recht. In der Schweiz hatten sie kürzlich ein Nummer-Eins-Album und einen ausverkauften Hallenstadiongig. In 'Gampel' präsentierten sie sich in bester Spiellaune. Ihre Pyroshow war so grell und atemberraubend, dass noch manch einer heute sein Loch auf der Netzhaut zu schliessen versucht. Ebenfalls überaus überzeugend waren Stereo MC's. Lange wars um die Briten ruhig. Zu ruhig, wie es sich jetzt herausstellte. Rob B. (Rob Birc) und DJ/Produzent The Head (Nick Hallam) zeigen den ganzen jungen Möchtegern Rappern, wo der richtige Groove hängt. Fette Beats, coole Vibes und perfekte Female Vocals - das alles mit sehr viel Drive. Trotz elektronischer Basis sind die Stereo MC's eine echte Livecombo. Zuweilen kann man die Briten gar als die beste Live-Dance-Band bezeichnen. Und wer am Freitag in Gampel war, weiss, dass dies keine leere Worthülse blieb. Sollte dieser Award international ausgeschrieben werden, gehören die Stereos zum ganz engen Favoritenkreis. Bereits am frühen Abend gabs Sound satt mit Oomph!, Anti-Flag und Flogging Molly. Der Sound von Oomph! ist gewaltig ohne gewalttätig zu sein. Ihr Sound, eine Mischung aus Elektronik und harten Gitarren plus provokativer Texte war auch in Gampel sehr fett. Die Hits wie «Augen auf», «Wacht auf» oder der neuste Skandalsong «Bei ersten Mal tuts immer weh» war ebenfalls dabei. Anti-Flag zeigten sich in 'Gampel' sehr pflegeleicht. Interviews hie und da, ein Meet & Greet und viel Proben mit dem Kinder- und Jugendchor St. Niklaus. Anders als ursprünglich abgemacht war der ganze Chor die komplette Show über auf der Bühne und sang bei drei Songs kräftig mit. Die Mütter der Kinder sprangen in der ersten Reihe umher, als ob es ihr allererstes Konzert war... Ein Highlight am Freitag darf nicht vergessen werden: Flogging Molly. Ihr Irish-Folk-Punk war genau das Richtige, um die abgekühlten Waden der Festivalbesucher wieder aufzuwärmen. Ein absoluter Aufsteller! Und dann kam eine junge Oberwalliserin und rockte erstmals die Hauptbühne: Stefanie Heinzmann mit 12-köpfiger Top-Band. Fast die ganze Platte live in einer unglaublichen Kompaktheit. Zum Ende präsentierte das Energiebündel mit «Chumm ins Wallis» ihre Hommage ans (für einmal regnerische) Wallis. Grandioser Abschluss war das Duett mit Bruder Claudio. Stefanie Heinzmann auf der grossen Gampel-Bühne? Prüfung bestanden - hoffentlich auf Wiedersehen 2009 mit neuem Album!
Der dritte Festivaltag startete mit viel Sonne und dem Auftritt der Berner Männer am Meer. Bereits um kurz nach 13.00 Uhr folgte mit der dänischen Newcomer-Truppe Grand Avenue ein erstes kleines Highlight. Musikalisch sehr überzeugend und kaum weniger harmonisch als Travis brachten sie ihren glatten Sound sehr straight rüber. Auch Justin Nozuka, der kanadische Singer-/Songwriter wusste zu überzeugen. Sein Publikum hat der smarte Halb-Japaner gefunden und wohl auch jene, die am Montag seine CD posten gehen. Anschliessend sorgte Sina auf der Bockbühne für einheimischen Power. Mystisch begonnen, brachte die Gampjerin mit viel Witz und Schalk ihre grossen Hits - vornehmlich aus der letzten CD «In wolke fische». Verstärkung erfuhr sie dabei von drei Musikern vom Swiss Jazz Orchestra.
Vor allem die spanische Punk-Spass-Truppe The Locos wusste die Bockbühne in eine Partyhölle zu verzaubern. Das Zelt war rammelvoll - die Zuschauer begeistert. Obwohl die finnischen Chartsstürmer Sunrise Avenue zeitlich schon früh am Nachmittag auf die Bühne 1 traten, wussten sie ein grosses Publikum zu begeistern. Glücklicherweise stellte sich die Ansage von Leadsänger Samu Haber, wonach die Band ihren Mördersong «Fairytale gone bad» heute weglassen, als Spass heraus, denn das Publikum wusste mit dem Song umzugehen!
Fettes Brot war endfett! Ihre Performance vollbepackt mit pumpendem Beats, irgendwo zwischen New Rave Country und Timberländ. Zehntausende hatten ihre Spass an «Emanuela», «Bettina» oder wie die «schwule Mädchen» alle auch hiessen! Die Berliner Beatsteaks erwiesen sich am Samstagabend als echter Headliner. In Deutschland schon lange als ganz ganz grosse Rockband bezeichnet, erklommen die Beatbulletten in ,Gampel' auch in der Schweiz endgültig den Headlinerstatus! Über 23'000 Besucher waren von ihrer Show mehr als begeistert.
Das sonntägliche Programm wurde mit moldawischem Punkrock von Zdob Si Zdub eröffnet. Gekonnt meistern sie seit den frühen 90ern den Spagat zwischen traditioneller Musik aus dem Schwarzmeerraum und ernsthaftem Hardcore. Heraus kommt ein einzigartiger Progressive-Ethno-Hardcore - genau das Richtige für den Sonntagmorgen. Den Abschluss bildeten dann Kuno Lauener und seine «ganze Giele» von Züri West und die Schweden-Rocker von Mando Diao. Zwar ist das aktuelle Album «Never seen the light of day» der letztgenannten Band anders als seine drei Vorgänger, nämlich eher «folkig», denn rockig. Doch trotz aller Veränderung ist die ungebrochene Energie und der Spass an der Musik geblieben, die live erst richtig zum Tragen kommt.
Olivier Imboden, Medienchef, 17.08.2008 - 15.30 Uhr
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