Gampel. Politische Gemeinde im Wallis, Bezirk Leuk, am rechten Ufer der Lonza, am Ausgang des Lötschentals,
bestehend aus Gampel (1890 Dorfbrand) und dem Weiler Jeizinen (1793 Brand), der heute
ein Ferienort ist, erreichbar mit der Seilbahn von Gampel und über die Strasse von Leuk. 1238 Champilz.
1850 330 Einwohner; 1900 531; 1910 2'086 (Bau des Lötschbergtunnels); 1950 798; 2000 1'301.
1339 erstmals als unabhängige Gemeinde erwähnt, gehörte Gampel zu den Gemeinden
des Zenden Leuk, die sich 1357 zur Wahrung ihrer Interessen zusammentaten. 1545 schuf Gampel
und 1674 Jeizinen eine Bauernzunft (Gemeindeordnung). Die dem hl. Theodul gewidmete Kapelle
von Gampel wurde 1442 eingeweiht. Die erste Kapelle von Jeizinen stammte aus der Mitte des 17. Jahrhunderts,
1965-66 wurde eine neue Kapelle errichtet. Bis 1663 gehörte Gampel zur Pfarrei Leuk, wurde dann
eine eigenständige Pfarrei und baute eine Kirche, die 1880 ersetzt wurde. 1723 entstand das
Gemeindehaus mit barocken Stilelementen. Nach den Auseinandersetzungen 1616 zwischen Gampel und
Steg wegen des Übertretens der Lonza legte der Landrat die Grenze zwischen den beiden Gemeinden
definitiv fest; sie entspricht der Grenze zwischen den Zenden Raron und Leuk. 1869-75
Rhonekorrektur. 1897 Bau der Lonza Elektrizitätswerke und Chemische Fabriken AG Gampel, dem
Vorläuferunternehmen der Lonza AG, das ab 1929 in Konkurrenz mit der Fabrik von Visp stand.
Die Fabrik von Gampel wurde 1970 aufgegeben und 1999 abgerissen. Die Wirtschaft der durch die Industrialisierung
reich gewordenen Gemeinde stagniert zu Beginn des 21. Jh. 1877 erster gemeinsamer Bahnhof für
Gampel und Steg an der Simplonlinie. 1930-32 Bau der Schule. Seit 1986 Rock-Festival Open Air Gampel.
Literatur
- F. Schnyder, Chronik der Gem. G., 1949
Autor: Rachel Siggen-Bruttin / BE
Bratsch. Politische Gemeinde im Wallis, Bezirk Leuk, rechts der Rhone.
Die Gemeinde umfasst das Haufendorf Bratsch auf einer
Terrasse am steil abfallenden Hang, darüber die Höhensiedlung Änggersch
sowie in der Ebene des Rhonetals die Siedlungen Getwing und Niedergampel.
1228 und 1242 Praes, 1309 Prahcs, 1322 Praes, 1357 Prayes, 1408 Prages, 1532 Bratsch.
1798 166 Einwohner; 1850 128; 1900 199; 1950 458; 1970 503; 2000 464.
Die Alemannische Besiedlung leitete die Germanisierung ein, die im 15. Jh. abgeschlossen war.
Die erstmals im 14. Jahrhundert erwähnte 'communitas' gehörte zum Vizedominat Leuk, das 1613 an den gleichnamigen
Zenden kam. Bis zur Gründung der Pfarrei Erschmatt-Bratsch (1721) war Bratsch nach Leuk pfarrgenössig
(Marienkapelle aus dem 17. Jahrhundert). Nach 1666 lag in Erschmatt ein Pestfriedhof. Änggersch, vormals ein
kommunales Doppelgebilde mit Bratsch (Burgerstatut 1672, gemeinsame Burgerliste 1826), sank im 19. Jahrhundert
zur Filialsiedlung ab. 1873 vergrösserte sich die Gemeinde durch den teilweisen Anschluss der ehemaligen
Temporärsiedlung und heutigen Wohngemeinde Niedergampel. Nach der Eröffnung der Lonzawerke in Gampel (1897) gingen
die Arbeiterbauernfamilien bald von der tradierten mehrstufigen Mischwirtschaft-Ackerbau (Zweizelgensystem mit
Flurzwang), Viehhaltung (Einzelalpung mit gemeinsamer Hut auf Alp Niwen), im Tal Rebbau - zu extensiveren
Bewirtschaftungsformen über. Über 94% der Erwerbstätigen gehen ausserhalb der Gemeinde ihrer Arbeit nach.
Literatur
- P. Jossen, Erschmatt, B. und Niedergampel im Zenden Leuk, 1970
- K. Anderegg, Siedlungsgebiet und Siedlungsbild von B., Ms., 1976
- HS I/5, 550
Autor: Gregor Zenhäusern
Steg (Benken).
Politische Gemeinde im Wallis, Bezirk Westlich Raron, am linken Ufer der Lonza, am Ausgang des Lötschentals.
Benken ehemaliges Freigericht, heute politische Gemeinde Steg. 1304 zen Benken, 1310 ad Bancos.
Am 9.12.1434 stimmte Rudolf Asperlin dem Verkauf der Jurisdiktion von Benken durch die Freiherren Petermann
und Hildbrand von Raron zu. Käufer waren die Dorfgenossen von Benken. Fortan bildete Benken, das politisch zum
Drittel Lötschen-Niedergesteln des Zenden Raron gehörte, ein Freigericht. Dieser Sonderstatus, den die fünf
oberen Zenden des Wallis mehrfach anfochten, wurde 1553 vom Landrat bestätigt.
Ein 1628 errichtetes Gerichtshaus wurde 1726-27 umgebaut. Ab 1727 nannte sich Benken 'Gemeinde und Freigericht Steg',
das als solches bis 1798 Bestand hatte.
Literatur
-L. Garbely, «Freigericht B., Gem. und Pfarrei Steg (1434-1934)», in BWG 8/1, 1935, 1-47
Autor: Philipp Kalbermatter
Hohtenn. Politische Gemeinde im Wallis, Bezirk Westlich Raron. Am Nordhang des Rhonetales
gelegenes Dorf mit mehreren Aussenweilern, u.a. Laden. 1438 'a dem Hotenne', bis ins 18. Jahrhundert meist Gestelberg
(Mons Castellionis) genannt. 1850 107 Einwohner; 1900 170; 1910 499 (Bau der Lötschbergbahn); 1950 308; 2000 200.
Ein spätrömischer Grabfund wurde 1972 gemacht. Spätestens ab 1248 gehörte Hohtenn zum Priorat Niedergesteln,
seit 1913 bildet es eine Pfarrei
mit Steg. Eine der hl. Barbara geweihte Kapelle stammte wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert, die Kirche des
hl. Mauritius wurde 1961-62 erbaut; in Laden ist 1661 eine Marienkapelle erwähnt. Seit 1529 heisst die Gemeinde
Hohtenn, 1707 Burgerhaus, 1714 Bauernzunft (Dorfstatut).
1852 und 1860 wurden die gemeinsamen Wälder und Allmenden unter Steg, Niedergesteln und Hohtenn aufgeteilt.
Im 20. Jahrhundert löste die Berglandwirtschaft nach und nach Fabrikarbeit ab; Erwerbstätige aus Hohtenn waren in
den Lonza-Werken Gampel (ab 1897) und der Aluminiumfabrik Steg (ab 1963) beschäftigt. 1913 Eröffnung der
Eisenbahnstation der BLS, 1930-32 der Strassenverbindung nach Steg. Der 1989 eröffnete Mittaltunnel bei Hohtenn
dient als Zufahrt zum Lötschental.
Literatur
- E. Imboden, H. einst und jetzt, 1975
- K. Anderegg, Siedlungsgebiet + Siedlungsbild von H., Typoskript, 1978, (MW)
Autor: Philipp Kalbermatter
| Gemeinde Gampel-Bratsch |
| 027 933 69 00 |
| Gemeinde Steg-Hohtenn |
| 027 933 12 70 |